Kohlhaas Orgel 002

Das Jahrhundertereignis: Nach 243 Jahren wurde die Kohlhaas-Orgel fertiggestellt

Es war ein großes Ereignis am 16.September 2012, als die Kohlhaas-Orgel in der zur Pfarrei Schwabenheim gehörenden St. Johannes Evangelist Kirche in einem feierlichen Gottesdienst mit Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann wieder in Dienst gestellt wurde. Der Orgelmacher Johannes Kohlhaas, der Jüngere, musste damals 1769 das Instrument praktisch halbfertig einbauen, nachdem die adligen Erbauer der Kirche sich von der Finanzierung zurückgezogen hatten. Leider sind die genauen Umstanden heute nicht mehr bekannt, da mehrere Brandschatzungen im Selztal alle Unterlagen und schriftlichen Quellen vernichtet haben. Im Laufe der Zeit musste das Instrument immer wieder repariert werden, außerdem wurden vielfache Versuche unternommen, das Instrument zu ergänzen und zu komplettieren. Im 20. Jahrhundert war die Orgel so marode, dass sie nur noch mit Mühen gespielt werden konnte.

Seit 1989 ist die Gemeinde bestrebt, das Instrument zu restaurieren, allerdings fehlten die nötigen Mittel. Und wenn man die seit 23 Jahren bestehenden Bemühungen um Restaurierungen betrachtet, muss man dem ehemaligen Gemeindepfarrer Eberhard Jung Recht geben, wenn er in diesem Zusammenhang von einem „Wunder“ spricht. Erst die Gründung eines Orgelvereins 2004 mit seinem agilen Vorstand, insbesondere dem 1. Vorsitzenden Helmut Klapheck, dem Schatzmeister Gerd-Peter Schild, dem Orgelsachverständigen Dr. Hans-Joachim Stenger und dem Organologen Klaus Scheuermann, machte es letztendlich möglich, das Ziel zu erreichen. Im Juni 2010 konnte der Restaurierungsvertrag mit der Orgelbaufirma Rainer Müller aus Merxheim an der Nahe unterzeichnet werden. Die Arbeiten begannen dann im Januar 2011 und fanden mit der Segnung der Orgel am 16. September 2012 ihren feierlichen Abschluss.

Mit der Kohlhaas-Orgel von Großwinternheim steht nun ein bedeutendes Instrument des Mainzer Orgelbaues spielbereit zur Verfügung. Trotz seines schlechten früheren Zustandes war die Orgel in den renommierten deutschen Kunstführer von Georg Dehio aufgenommen worden. Damit war die immanente Verpflichtung gegeben, das Werk entsprechend zu erhalten. 27 Register sind jetzt auf zwei Manualen und Pedal spielbar. Der ehemalige Mainzer Domorganist Albert Schönberger hat als erster das Instrument während des Gottesdienstes erklingen lassen. Bemerkenswert waren die Gesangsdarbietungen der beiden Kirchenchöre von Großwinternheim und Elsheim. Das Canticum Laudat Dominum omnis terra in organis (Es lobe die ganze Erde den Herrn mit Orgeln), das im Jahr 2000 zur Wiedereinweihung der Elsheimer Orgel komponiert worden war, drückte die Freude und Begeisterung über die nunmehr perfekt klingende Orgel aus. Zum Abschluss spielte Schönberger die bekannte Toccata und Fuge in d-moll von Johann Sebastian Bach.

Danach lud der Orgelverein zum Empfang in die Turnhalle ein. In kurzen Ansprachen gratulierten der Vereinsvorsitzende Helmut Klapheck, der zuständige Orgelsachverständige Dr. Hans-Joachim Stenger, der Restaurierungsleiter der Firma Müller Alexander Bükki, die Wahlkreisabgeordnete des Landtages Dorothea Schäfer, der Ortsvorsteher Joachim Frey, Oberbürgermeister Ralf Claus u.a. der Gemeinde zu dem besonderen Instrument, das nun spielbereit zur Verfügung steht. Einer alten süddeutschen Tradition folgend überreichte die Gemeinde als Dank an die Orgelbauer die größte Pfeife gefüllt mit bestem Ingelheimer Wein. Außerdem wurde die 100seitige Festschrift mit Beiträgen aus der Geschichte der Kirchengemeinde, der Orgel und der Gottesdienstliturgie zum Kauf angeboten.

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